Das KJHG sieht im Rahmen der Maßnahmen nach §§ 34 und 35 umfangreiche Möglichkeiten für Hilfsangebote an Jugendliche in ihrer Entwicklung vor. Dabei kann es in Einzelfällen notwendig sein, auf extreme Situationen mit außergewöhnlichen und innovativen pädagogischen Mitteln zu reagieren, um dem Heranwachsenden noch eine Entwicklungschance zu geben.
Dazu gehören betreute Wohnformen sowie auch integrative einzelbetreuerische Maßnahmen in Deutschland.
Seit geraumer Zeit bestehen Kooperationsbeziehungen zu anderen Maßnahmeträgern von Hilfen zur Erziehung und eigene Projektträgerschaften insbesondere im Bereich der Einzelbetreuung nach § 35 KJHG.
Dabei setzen die Mitglieder und Mitarbeiter des Pfad ins Leben e. V.`s auf Synergieeffekte zwischen den einzelnen Arbeitsbereichen, insbesondere
- den Know-How-Transfer im Bereich der Erlebnispädagogik
- Rückgriff auf Personal, das neben einer entsprechenden Qualifikation ehrenamtliche Erfahrung in erlebnispädagogischen Aktionen mit Jugendlichen hat
- integrative Ansätze im Sinne eines positiven gleichaltrigen Umfeldes, Einbindung in Maßnahmen des Verbandes
- mögliche Unterstützung durch ein weltweit tätiges Netzwerk der Organisation, u.a. Ortsgruppen in vielen Orten Deutschlands
- Nutzung von Erfahrungen aus anderen Jugendprojekten
- Flexibilität in der Ausgestaltung der Hilfe nach den Erfordernissen der Situation des Jugendlichen
Der Träger versteht Jugendhilfe als eine Kombination von präventiven und nachsorgenden Angeboten und möchte diese Koppelung auch für seine Arbeit realisieren.
Dabei wollen wir angesichts der aktuellen Probelemstellungen neue und innovative Wege gehen.
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Indikation
Es können bis zu 4 Jugendliche (Jungen/Mädchen) im Projekt bis zur Selbstständigkeit betreut werden.
Das ideale Einstiegsalter ist 14-17 Jahre, evtl. bis 19 Jahre, evtl. auch jünger.
Die Betreuung im Projekt ist sinnvoll, wenn
- der Jugendliche den erklärten Willen hat, seine Situation positiv zu verändern
- er die soziale Kompetenz hat, sich in großfamilienähnliche Strukturen einzufügen
- er die Maßnahme als Chance für sich begriffen hat
Spezielle Gründe für eine Betreuung im Projekt können sein:
- in der Regel Nachbetreuung nach der Betreuung in Rußland
- Situation nach Drogenentzug mit dem Ziel der vollständigen und dauerhaften Lösung aus dem Drogenmillieu
- Betreuungsprobleme, ständige Abwesenheit aus Maßnahmen nach § 34/35 KJHG, sofern diese auf mangelnde Bindungsangebote zurückzuführen sind
- gestörtes Selbstbewußtsein, z.B. nach Mißbrauchssituationen
- selbst angestrebte Trennung von einem negativen Umfeld
Ziel soll es in jedem Fall sein, die Fähigkeit und Motivation zu einer gezielten und selbstverantworteten Lebensplanung und ihrer Umsetzung zu vermitteln. Dazu sollen mit der Einzelbindung an den Betreuer und einer familienähnlichen Bindung an die Hofgemeinschaft Verhaltensmuster infrage gestellt und neue gezielt entwickelt werden. Das geschieht zum einen durch Umfeldwirkung und zum anderen durch die gezielte Verstärkung dieser Wirkung durch die Mitarbeiter.
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Projektbausteine
Folgende Möglichkeiten können als Projektbausteine zur Erreichung des pädagogischen Ziels eingesetzt werden:
- Ausbau des Hofes
- eigenverantwortliches Tätigwerden mit konkret erlebtem Ergebnis, Aufbau der Grundlage für das eigene Leben
- Erlangen praktischer Fertigkeiten im Umgang mit Holz und beim Bauen
- Vermittlung/Nachholen von schulischen Kenntnissen in einem familiären Umfeld
- Überwindung von Schulangst, Motivation für Abschluß
- gezielte Schließung von Wissenslücken
- Erreichung des Hauptschulabschlusses
- Begleitung eines Normalschulbesuchs, Nachhilfe
- Integration in eine Wohngemeinschaft
- Zusammenleben mit den Bewohnern des Hofes
- Aufbau eines sozialen Nahumfeldes, das über die Betreuung hinauswirken kann
- Outdoor-Aktivitäten
- Zeitlich begrenzte Aktivitäten zur Schaffung zeitweiser erlebnispäd. Situationen
- jederzeit einsetzbar, aber nicht der Kern des Projektes, sondern eine von mehreren Methoden
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Die Idee
Jugendliche aus Problemsituationen, mit denen wir vorrangig arbeiten, brauchen ein stabiles und überschaubares soziales Umfeld, Kontakte mit Gleichaltrigen, die sie möglichst nicht wieder in ihre Problematik zurückfallen lassen und ab 16 Jahren die Möglichkeit, Selbstständigkeit zu üben. Dazu ist im speziellen Einzelfall eine ländliche Umgebung durchaus sinnvoll, wenn sie nicht zur völligen Isolation führt, was in einer integrativen Jugendfreizeitstätte kaum denkbar ist.
Speziell für Kinder und Jugendliche, die eigentlich aus ländlichen Umfeldern kommen, bietet ein Hof die Möglichkeit, in einem vertrauten und geborgenen Umfeld neue Kontakte zu knüpfen und Lebensperspektiven aufzubauen.
In Altenberga sind z.Z. vier Plätze gemäß § 35 KJHG eingerichtet. Dadurch soll idealerweise ein förderndes Klima geschaffen werden und durch eine Betreuung von mind. 2 Jahren ein ständiger Wechsel der Bezugspersonen verhindert werden. Da die Betreuer auch fest auf dem Hof wohnen, ist im Vergleich zu anderen Einrichtungen ein völlig anderes (Einzel-) Betreuungssystem realisierbar.
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Die Ressourcen des Projektortes
Unser Hof in Altenberga ist ein Dreiseithof inmitten der Gemeinde Altenberga im Saale-Holzlandkreis/Thüringen. Er verbindet den Aspekt der Abgeschiedenheit und Ruhe mit einer relativen Nähe zu allen wichtigen infrastrukturellen Angeboten. So ist die Großstadt Jena vom ca. 4 km entfernten Bahnhof Rothenstein in knapp 15 min zu erreichen.
Die Umgebung mit viel Wald, der Saale und Bergen ist geradezu geeignet für erlebnispädagogische Kurzaktionen.
Auf dem Hof selbst treffen verschiedene soziale Gemeinschaftsformen zusammen und bieten notwendige Orientierung. Das sind die Familie der Geschäftsführerin, eine weitere junge Familie mit Kindern, die mitwohnenden Betreuer sowie ab Januar 2003 minderjährige Mütter mit ihren Kindern.
Durch das Mitwohnkonzept ist die Ansprechbarkeit des Betreuers eine ganz andere, zumal es ja eine personenfixierte Betreuung ist. Auch das Erlebnis anderer Familienformen kann soziale Kompetenzen stärken. Auch die Lage mitten im Ort wird von uns als förderlich empfunden, da die Jugendlichen so merken, daß sie ein Teil der Gesellschaf sind und ggf. auch von außen sanktioniert werden.
Auf dem Hof ist immer etwas los, neben den kontinuierlichen land- und hauswirtschaftlichen Arbeiten gibt es immer spontan etwas zu tun. Der Jugendliche merkt, daß er gebraucht wird.
Durch konkrete, reale Erfahrungen kann der Jugendliche so zum wichtigen Helfer werden. So hat er das Erfolgserlebnis, ggf. auf einem Gebiet mehr zu können als andere Jugendliche.
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Schulische und berufliche Entwicklung
Schulische und berufliche Entwicklung sind zentrale Gradmesser einer erfolgreichen Betreuung. Der lange Zeitraum bedingt eine schulische Weiterentwicklung bzw. Berufsvorbereitung als notwendige Bestandteile des Hilfeplanes.
Schule oder Berufsausbildung ist in einer individuellen Form Bestandteil des Projektes und fester Punkt im Tagesablauf.
Je nach Ausgangssituation werden im Projekt folgende Ziele allein oder nacheinander umgesetzt, wobei wir davon ausgehen, daß der Jugendliche einen Schultyp der Umgebung besucht (Regelschule, Gesamtschule, Förderschule, Gymnasium), beziehungsweise eine Lehre aufnimmt:
- Motivation, Überwindung von Schulangst
- Aufarbeitung von Wissenslücken und Lerntechnikdefiziten
- Normale Vermittlung des alters- und leistungsgerechten Schulstoffes, Hinführung zu einem Abschluß (Hauptschule oder sogar Realschule)
- Berufswahl, Findung und Entwicklung von Neigungen
Sollte der Jugendliche individuell bedingten Gründen noch keine Lehre machen können, ist eine Berufsorientierung vorgesehen.
Idealerweise wird der Jugendliche so schnell wie möglich zur Teilnahme an der normalen Schule bzw. zur Aufnahme einer Lehre befähigt.
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Vorbetreuung
Als wesentlichen Bestandteil der Maßnahme sehen wir geeignete Formen des Kennenlernens und Aufeinander-Einlassens an.
Die Vorbetreuung umfaßt einen Zeitraum von ca. 4 Wochen.
Wichtige Ziele der Vorbetreuung sind:
- Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zum Klienten
- Situationsanalyse, Überprüfung der Zweckmäßigkeit der Maßnahme, Erstellung bzw. Fortschreibung des Hilfeplans
- mögliche Sicherung des Umfeldes (Eltern, Kontaktpersonen)
- Abklärung organisatorischer Formalitäten
Die Vorbetreuung findet in einer erlebnispädagogischen Form (Bootstour, Zeltwanderung etc.) statt. Während der Vorbereitung wird der Jugendliche durch den "zukünftigen Sibirienbetreuuer" sowie eine pädagogische Hilfskraft betreut. Die Vorbereitung findet meist im näheren europäischen Ausland statt.
Der Jugendliche hat durchaus das Recht, den Betreuer im Ergebnis dieser Vorbetreuung abzulehnen, gleichfalls natürlich der Betreuer, wenn ein Fall sich in näherer Betrachtung als für das Projekt ungeeignet erweist.
Ziel ist es in jedem Fall, langfristig tragfähige Einzelbetreuungsverhältnisse aufzubauen, um Kontinuität zu sichern.
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Zusammenarbeit mit Jugendamt und Eltern
Der Erfolg einer Maßnahme hängt in entscheidendem Maße von der Zusammenarbeit der beteiligten Erziehungsträger ab. Insbesondere in Maßnahmen auf große Entfernungen ist diese häufig durch fehlende Informationsstrukturen gefährdet. Das Projekt legt deshalb besonderen Wert auf folgende Elemente:
- Umfassende Klärung der Ausgangssituation, um eine dem Einzelfall angemessene Methodik und geeignete Zielvorgaben festzulegen. Dazu muß dem Träger möglichst umfassendes Berichtsmaterial zur Verfügung gestellt werden, das zusammen mit den Hilfeplangesprächen die Basis für eine problemorientierte Arbeit ist.
- Ausführliche Hilfeplanung und Aktualisierung des Hilfeplanes über den Betreuungszeitraum. Dazu werden regelmäßig aktuelle Entwicklungsberichte durch den Betreuer erstellt und dem Jugendamt zugeleitet.
- Sicherung der Informationsstrukuren: Neben einem ständigen Kontakt zwischen Jugendamt/ggf. Jugendgerichtshilfe und Träger, insbesondere zu organisatorischen Fragen, hat der Jugendliche jederzeit die Möglichkeit des direkten Gespräches mit dem zuständigen Mitarbeiter des Jugendamtes (und umgekehrt). Vorhandene Bindungen an Eltern bzw. anderen Kontaktpersonen werden gezielt gefördert.
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Die Mitarbeiter
Das Projekt lebt von den sich ergänzenden Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeiter.
Konkret werden im Projekt seit 1999 je ein Erzieher bzw. Sozialpädagogen pro Betreuten beschäftigt.
Diese Mitarbeiter betreuen zusammen in einer Kombination aus Einzelbetreuung und Gruppensituation die vier Jugendliche.
Dazu kommen Hilfkräfte wie FSJ und Praktikanten sowie Geschäftsführung/Einrichtungsleitung und Buchhaltung.
Die Mitarbeiter ergänzen sich als Team sowohl in der sozialpädagogischen, als auch in der praktischen Absicherung der Maßnahme. Einerseits ist das Team jung genug, um in erlebnispädagogischen Aktionen jede Situation auch körperlich und psychisch zu beherrschen, andererseits berufs- und lebenserfahren genug, um den Jugendlichen als ernstzunehmende Bezugspersonen zur Verfügung zu stehen.
Aufgabe der Projektleitung ist es u.a., in regelmäßigen Teamberatungen und kurzfristigen Gesprächen Betreuungs- und individuelle Probleme reflektieren zu lassen. Durch den Träger wird eine ausreiche Reflexions-, Supervisions- und Weiterbildungsmöglichkeit sichergestellt.
Die Mitarbeiter, die im Rahmen des § 35 KJHG arbeiten, sind an die Betreuung eines konkreten Jugendlichen gebunden.
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