ein Projekt im Rahmen § 35 KJHG
angeboten durch den
Pfad ins Leben e. V. Jena



Motivation des Trägers
Indikation
Projektbausteine
Die Projektorte
Ressourcen vor Ort
Nebeneffekte
Schulische und berufliche Entwicklung
Vor- und Weiterbetreuung
Zusammenarbeit mit Jugendamt und Eltern
Die Mitarbeiter




Motivation des Trägers


Das KJHG sieht im Rahmen der Maßnahmen nach § 35 umfangreiche Möglichkeiten für Hilfsangebote an Jugendliche in ihrer Entwicklung vor. Dabei kann es in Einzelfällen notwendig sein, auf extreme Situationen mit extremen und dem Außenstehenden schwer verständlichen pädagogischen Mitteln zu reagieren, um dem Heranwachsenden noch eine Entwicklungschance zu geben.

Dazu gehören erlebnispädagogische Maßnahmen im Ausland.

Wir möchten hier ein Projekt vorstellen, das von seinen Umfeldbedingungen her außergewöhnliche Möglichkeiten bietet, wichtige pädagogische Ziele zu erreichen und dies in der Praxis nachgewiesen hat.

Der Pfad ins Leben e.V., gegründet im Mai 1997, ist hervorgegangen aus dem Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) Landesverband Thüringen e.V., der seit 1994 anerkannter Träger der Jugendhilfe und über seinen Bundesverband anerkanntes Mitglied der Weltpfadfinderorganisationen WOSM und WAGGGS sowie des Deutschen Bundesjugendrings ist und hält mit diesem Kooperationsbeziehungen.

Dabei setzen die Mitglieder und Mitarbeiter des Pfad ins Leben e.V. auf Synergieeffekte zwischen den beiden Vereinen, insbesondere


Die Träger sind seit 1994 mit verschiedenen Projekten in Rußland im Raum Omsk aktiv. Die dabei entstandenen Kontakte werden auch für das Projekt nach § 35 KJHG genutzt.

Lassen Sie uns gemeinsam im Interesse der Jugendlichen die Chancen dieser Ideen nutzen.

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Indikation


Es können bis zu 8 Jugendliche (Jungen/Mädchen) im Projekt für 8 bis zu 12 Monaten betreut werden. Das ideale Alter ist 14-17 Jahre.

Die Betreuung im Projekt ist sinnvoll, wenn der Jugendliche weiß, was ihn erwartet und der Maßnahme zugestimmt hat.
Er muß die Maßnahme als Chance für sich begriffen haben.

Spezielle Gründe für eine Betreuung im Projekt können sein:


Ziel soll es in jedem Fall sein, die Fähigkeit und Motivation zu einer gezielten und selbstverantworteten Lebensplanung und ihrer Umsetzung zu vermitteln. Dazu sollen mit erlebnispädagogischen Mitteln über eine extreme Umfeldänderung Verhaltensmuster in Frage gestellt und neue gezielt entwickelt werden. Das geschieht zum einen durch Umfeldwirkung und zum anderen durch die gezielte Verstärkung dieser Wirkung durch die Mitarbeiter.

Dabei soll auf eine ständige Outdoor-Situation bewußt verzichtet werden, da der Rückkopplungseffekt auf die gewohnten Lebensverhältnisse erfahrungsgemäß nicht besonders hoch ist. Dagegen können Effekte aus der normalen Lebensalltagssituation im Projekt wesentlich besser transferiert werden.

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Projektbausteine


Folgende Möglichkeiten können als Projektbausteine zur Erreichung des pädagogischen Ziels eingesetzt werden:
  1. Auf- und Ausbau des Hofes
  2. Betreuung der eigenen Landwirtschaft
  3. Vorausbildung Tischler/Landwirt/Autoschlosser
  4. Vermittlung/Nachholen von schulischen Kenntnissen in einem quasifamiliären Umfeld
  5. Reittherapie
  6. Outdoor-Aktivitäten


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Die Projektorte


Die Projektorte Bolscheretschje und Tefris liegen im Norden des Omsker Gebietes der russischen Föderation. Bolscheretschje liegt etwa 150 km nordwestlich, Tefris etwa 400 km nordöstlich der Millionenstadt Omsk im Randgebiet des für sibirische Verhältnisse dichtbesiedelten Waldsteppengebietes. Nach Norden ist so gut wie keine Besiedlung zu verzeichnen. Bolscheretschje und Tefris liegen am Fluß Irtysch.

Hauptwirtschaftszweig ist die Landwirtschaft. Neben der obligatorischen Eigenversorgung gibt es Großbetriebe (Kolchosen). Weitere Wirtschaftszweige sind Forstwirtschaft und Baubetriebe.

Beide Orte sind durch eine feste Straße mit Omsk verbunden und werden täglich zwei- bis dreimal von Bussen oder Schiffen aus Omsk angefahren. Die Fahrzeit beträgt ca. 5-8 Stunden. Omsk wiederum ist mittelbar über Moskau oder auch direkt über Fluglinien mit Deutschland verbunden, es gibt täglich mind. eine Flugverbindung. Die Reisezeit Jena-Bolscheretschje/Tefris beträgt in der schnellsten Variante (Flug) ca. 24 Stunden.

Das Gebiet Omsk gehört zu den politisch ruhigsten und wirtschaftlich stabilsten Regionen Rußlands. Hier versteht man, was es bedeutet, daß "Moskau weit ist".
Zusammen mit der sprichwörtlichen Offenheit und Gastfreundschaft der Sibirier entsteht eine Atmosphäre der Sicherheit und Geborgenheit.
Sibirisches Sprichwort: "Alle schlechten Menschen wohnen hinterm Ural..."
Die Milizionäre im Ort tun ihr übriges.

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Ressourcen vor Ort


Die Bevölkerung hat zu allen Fremden ein ausgesprochen herzliches und gastfreundliches Verhältnis. Man hat sofort das Gefühl dazuzugehören.

Die Projektorte sind einerseits so provinziell, daß Kriminalität, Drogen (außer der Volksdroge Alkohol), keine Rolle spielen, besitzt andererseits eine komplette Infrastruktur, bestehend aus:


Es besteht ein freundschaftliches Verhältnis zum jeweiligen Leiter der örtlichen Administration für Jugend- und Bildungsfragen, sowie eine generelle vertragliche Regelung über die Zusammenarbeit mit der örtlichen Administration. Es gibt freundschaftliche Verbindungen zu einzelnen Familien im Ort, die bei Fragen des täglichen Lebens helfen und das Projekt insgesamt ins gesellschaftliche Leben einfügen.

Die Umgebung mit Taiga und Fluß ist ideal für zeitlich begrenzte Outdoor-Aktivitäten. Das Leben der Bevölkerung ist fest mit der sie umgebenden Natur verknüpft.

Die Versorgungslage ist stabil.
Die gesundheitliche Versorgung wird durch das Kreiskrankenhaus, in komplizierten Fällen durch moderne Einrichtungen in Omsk abgesichert, die jedem Problemfall gewachsen sind. Diese sind teilweise privat, die Behandlungskosten werden über die Auslandskrankenversicherung abgedeckt. Im Falle akuter psychischer Erkrankungen erfolgt eine Rückführung nach Deutschland, sofern eine therapeutische Behandlung vor Ort nicht möglich ist.

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Nebeneffekte


Die Projektkonzeption erzeugt einige positive Nebeneffekte, die insbesondere in der Betreuung von schwer verhaltensgestörten Jugendlichen von Bedeutung sind.

  1. Die Sprache ist in Rußland der absolute Schlüssel zur Kommunikation, Englisch- und Deutschkenntnisse so gut wie nicht vorhanden. Die Mitarbeiter werden so automatisch für den Jugendlichen zu Schlüsselfiguren.
  2. Ein spontanes Weglaufen aus dem Projekt ist praktisch so gut wie unmöglich. Ohne Kenntnis der Landessprache und der Gepflogenheiten ist es sehr schwer, die "westliche Zivilisation" zu erreichen. Die Taiga mit ihren Bären und Wölfen verbietet sich erst recht als Ausweg. Die Jugendlichen müssen aus der Situation heraus mit den Mitarbeitern eine Diskussion über den Abbruch der Maßnahme für sie führen. Andererseits entsteht daraus die Forderung an die Mitarbeiter, die Jugendlichen in ihren Problemen auch ernst zu nehmen und darauf notfalls mit dem Abbruch der Maßnahme zu reagieren.
  3. Die Gastfreundschaft und die intensiven sozialen Kontakte verbessern auch bei stark geschädigten Jugendlichen das Vertrauen in andere Menschen (auch Erwachsene) und das Selbstbewußtsein. Evtl. erleben sie das erste Mal, daß sie im Mittelpunkt stehen, ohne irgendwie negativ aufzufallen.
  4. Es gibt keine kriminelle oder Jugendszene. Die Jugendlichen des Ortes sind für unsere Verhältnisse eher angepaßt, aber auch auf ihre Weise selbstbewußt. Es gibt keine einzelnen Szenen, sondern eine Altersidentität. Eine wünschenswerte Integrität in die Jugendgemeinschaft vor Ort setzt das Durchbrechen von Szenedenken und Konkurrenzverhalten voraus.


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Schulische und berufliche Entwicklung


Schulische und berufliche Entwicklung sind zentrale Gradmesser einer erfolgreichen Betreuung.
Der lange Zeitraum des Auslandsaufenthaltes bedingt eine schulische Weiterentwicklung bzw. Berufsvorbereitung als notwendige Bestandteile des Hilfeplanes.

Schule ist in einer individuellen Form Bestandteil des Projektes und fester Punkt im Tagesablauf. Je nach Ausgangssituation werden im Projekt folgende Ziele allein oder nacheinander umgesetzt:

  1. Motivation, Überwindung von Schulangst
  2. Aufarbeitung von Wissenslücken und Lerntechnikdefiziten
  3. Normale Vermittlung des alters- und leistungsgerechten Schulstoffes, Hinführung zu einem Abschluß (Hauptschule)
  4. Berufswahl, Findung und Entwicklung von Neigungen, Aufbau von Vorlaufwissen und -kenntnissen in verschiedenen handwerklichen, land- und forstwirtschaftlichen Berufsfeldern

Zu diesem Zweck hat uns der russische Partner auf Vertragsbasis Zugang zu den Einrichtungen und Lehrkräften der örtlichen Berufsschule verschafft, so daß Fertigkeiten auch bereits in berufstypischen Umfeldern erworben werden können (Holzarbeiten, Schweißen, Autoschlossereiarbeiten etc.).

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Vor- und Weiterbetreuung


Als wesentlichen Bestandteil der Maßnahme sehen wir geeignete Formen der Vor- und Weiterbetreuung an.

Einfache "Verschickungsprojekte" werden von uns nicht angeboten, da der "Back home"-Effekt den Erfolg der ganzen Maßnahme gefährdet, sofern dieser nicht durch den vertrauten Betreuer egalisiert wird.

Die Vorbetreuung umfaßt einen Zeitraum von ca. 4 Wochen und findet in der Regel in einer erlebnispädagogischen Situation in z.B. Schweden, Tschechien oder -in Einzelfällen- auch Deutschland statt

Wichtige Ziele der Vorbetreuung sind:


Dabei erfolgt die Betreuung schon teilweise in einer erlebnispädagogischen Form (Bootstour, Zeltwanderung etc.). Der Jugendliche hat durchaus das Recht, den Betreuer im Ergebnis dieser Vorbetreuung abzulehnen, gleichfalls natürlich der Betreuer, wenn ein Fall sich in näherer Betrachtung als für das Projekt ungeeignet erweist.

Die Weiterbetreuung erfolgt in der Regel für mind. 1 Jahr und muß im Jugendhilfeplan nach den Wünschen des Jugendlichen sowie der konkreten Entwicklungssituation vereinbart werden. Das wird in der Regel unser Hof in Thüringen sein, kann aber auch eine integrative Wohngemeinschaft, oder aber auch eine familienorientierte Einzelbetreuung sein. Nach Möglichkeit wird eine Betreuung bis zur Wiedereingliederung in die Herkunftsfamilie bzw. bis zur Volljährigkeit durch den Träger realisiert.

Dabei spielt die Möglichkeit der gleichzeitigen Integration in die Freizeitgestaltung des dem Träger nahestehenden Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder LV Thüringen e.V. eine wichtige Rolle im Aufbau neuer Sozialisationsfelder, natürlich nur, wenn ein entsprechendes Interesse besteht.

Wichtig ist es, im Auslandsaufenthalt geänderte soziale Verhaltensmuster auch unter den vorherigen Bedingungen zu stabilisieren bzw. diese Bedingungen (Umfeld, Freizeitgestaltung, Lebensperspektive) so zu verändern, daß kein Rückfall in alte Verhaltensmuster erfolgt.

Zentraler Ansatz ist dabei die Kontinuität in der Betreuung durch denselben Betreuer wie im Ausland sowie die Integration in ein neues Freizeitumfeld.

Ziel ist es, den Jugendlichen soweit zu verselbständigen und zu stabilisieren, daß er



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Zusammenarbeit mit Jugendamt und Eltern


Der Erfolg einer Maßnahme hängt in entscheidendem Maße von der Zusammenarbeit der beteiligten Erziehungsträger ab. Insbesondere in Auslandsmaßnahmen ist diese häufig durch fehlende Informationsstrukturen gefährdet. Das Projekt legt deshalb besonderen Wert auf folgende Elemente

  1. Umfassende Klärung der Ausgangssituation, um eine dem Einzelfall angemessene Methodik und geeignete Zielvorgaben festzulegen.
    Dazu muß dem Träger möglichst umfassendes Berichtsmaterial zur Verfügung gestellt werden, das zusammen mit den Hilfeplangesprächen und den individuellen Gesprächen Betreuer-Klient die Basis für eine problemorientierte Arbeit ist.
  2. Ausführliche Hilfeplanung und Aktualisierung des Hilfeplanes über den Betreuungszeitraum.
    Dazu werden regelmäßig aktuelle Entwicklungsberichte durch den Betreuer erstellt und dem Jugendamt zugeleitet.
  3. Sicherung der Informationsstrukuren
    Neben einem ständigen Kontakt zwischen Jugendamt und Träger, insbesondere zu organisatorischen Fragen, hat der Jugendliche jederzeit die Möglichkeit des direkten Gespräches mit dem zuständigen Mitarbeiter des Jugendamtes (und umgekehrt). Vorhandene Bindungen an Eltern bzw. anderen Kontaktpersonen werden gezielt gefördert. Dies wird durch telefonische Kontakte (Direktverbindung ist jederzeit möglich) und Fax sichergestellt.


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Die Mitarbeiter


Das Projekt lebt von den sich ergänzenden Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeiter. Konkret werden im Projekt für je einen Jugendlichen ein Erzieher oder Sozialpädagoge beschäftigt.

Diese Mitarbeiter betreuen zusammen in einer Kombination aus Einzelbetreuung und Gruppensituation jeweils bis zu 4 Jugendliche an 4 verschiedenen Projektstandorten (Höfen) im selben Ort bzw. in Orten der näheren Umgebung von Bolscheretschje und Tefris.

Die Mitarbeiter ergänzen sich als Team sowohl in der sozialpädagogischen, als auch in der praktischen Absicherung der Maßnahme. Einerseits ist das Team jung genug, um in erlebnispädagogischen Aktionen jede Situation auch körperlich und psychisch zu beherrschen, andererseits berufs- und lebenserfahren genug, um den Jugendlichen als ernstzunehmende Bezugspersonen zur Verfügung zu stehen.

Aufgabe der Projektleitung ist es u.a., in regelmäßigen Teamberatungen Betreuungs- und individuelle Probleme reflektieren zu lassen. Durch den Träger wird von Deutschland aus eine organisatorische und fachliche Betreuung des Projektes sichergestellt.

Die Mitarbeiter sind an die Betreuung eines konkreten Jugendlichen gebunden und übernehmen auch die Weiterbetreuung in Deutschland, die untrennbarer Bestandteil des Projektes ist. Ihr Aufenthalt vor Ort richtet sich nach den im Hilfeplan festgeschriebenen Erfordernissen des Einzelfalles.

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