Die Motivation des Trägers

Der Pfad ins Leben e.V. betreut mit unterschiedlichen innovativen Konzepten seit Sommer 1997 Jugendliche in besonders schwierigen Situationen mit großem Erfolg.

Um- und Ausbauarbeiten an den Gebäuden in Altenberga Nr. 40 einerseits, die Erfahrungen in der Betreuung mit Jugendlichen andererseits, sowie die Kenntnis über den wachsenden Bedarf ermöglichen eine Erweiterung der Nutzung der Einrichtung für die Betreuung minderjähriger Mütter mit Kindern, die auf Grund ihrer Persönlichkeitsentwicklung Hilfen zur Erziehung, insbesondere Hilfen und Unterstützung bei der Pflege und Erziehung ihres Kindes benötigen. Dabei setzten wir auf die guten Erfahrungen, die wir durch die Verschiedenheit der Bewohner unseres Hofes in der Betreuung der Klienten bisher machen konnten.



Der Projektort

Das Objekt Altenberga Nr. 40 besteht aus vier eigenständigen als Dreiseithof angeordneten Häusern. Es war zu DDR-Zeiten ein Ferienobjekt.
Das rechte Haus dient zur Unterbringung von zwei Jugendlichen aus dem Projekt Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung in Altenberga, bietet zwei Bäder, Toiletten und Zimmer für die Betreuer bzw. ein Raum zum Basteln oder für das Übergangswohnen. Außerdem ist hier die Geschäftsstelle untergebracht.
Das linke Haus bietet vier Zimmer mit Dusche und WC für weitere Jugendliche und Betreuer des o.g. Projektes. Eine Betriebserlaubnis besteht z. Z. für sechs Betreuungsplätze, wovon wir jedoch nur vier regelmäßig belegen wollen.
Im Haupthaus wurde die ehemalige Gaststätte zur Küche und zum Aufenthaltsraum für die Jugendlichen und Betreuer umgebaut. Außerdem wohnt auf der linken Seite dieses Hauses bzw. im sich zur Zeit im Ausbau befindlichen Dach eine junge Familie mit ihren drei Kindern, die dem Verein nahestehen.
In der zweiten Etage befinden vier Zimmer für das gemeinsame Wohnen der Mütter mit ihrem Kind und ein Gemeinschaftsraum, sowie ein Bad (nur Dusche, aber Platz für Wickelkommode und Babybadewanne). In der unteren Etage steht eine separate Küche für die Mütter mit ihren Kindern zur Verfügung.
Im vierten Einfamilienhaus am Übergang zu einem großen Garten (z. Zt. Pachtfläche bei der Gemeinde) wohnt die Einrichtungsleiterin mit ihrem Mann.
Altenberga ist ein kleines Dorf ca. 10 km von Jena entfernt, welches in erster Linie von der dörflichen und landschaftlich sehr schönen Umgebung lebt. Der Hof befindet sich nicht abseits, sondern mitten im Dorf und das Leben auf dem Hof kann durch die Dorfbewohner verfolgt werden.



Die Ziele der Maßnahme

  1. Bezogen auf die Persönlichkeitsentwicklung der Mutter:
    • Erreichen eines Schulabschlusses bzw. Erfüllung der Schulpflicht
    • Beginn einer Berufsausbildung / Durchführung von berufsvorbereitenden Maßnahmen und damit verbunden Erarbeitung einer eigenen Lebensvorstellung
    • Erlernen sozialer und Alltagskompetenzen in der Gruppensituation (Kritikfähigkeit, Einsichtsfähigkeit, Zuverlässigkeit etc.)
    • Vermittlung von Kompetenzen zur sinnvollen Gestaltung der eigenen Freizeit und damit verbunden zum Aufbau eines eigenen sozialen Netzwerkes
    • Möglichkeit neue Modelle der Lebens- und Alltagsbewältigung kennen zu lernen
    • Erkennen und Förderung von Fähigkeiten der Jugendlichen, sei es im hauswirtschaftlichen, im landwirtschaftlichen im handwerklichen oder auch künstlerischen Bereich und damit Entwicklung des Selbstvertrauens der Jugendlichen
    • Übernahme von Verantwortung für die eignen Person und zunehmende Sensibilisierung für die Belange anderer
  2. Bezogen auf die besondere Situation der jungen Mutter
    • Hilfe und Unterstützung beim Erkennen und bei der Bewältigung der Aufgabe der Versorgung und Erziehung des Kindes durch Begleitung durch eine Erzieherin und wenn notwendig die zeitweilige Versorgung des Kindes durch die Erzieherin
    • Vorbeugen einer physischen und psychischen Überlastung der jungen Mutter und einer möglichen Ablehnung des Kindes
    • durch gemeinsame Arbeits- und Freizeitgestaltung (Freizeitmöglichkeiten mit anderen Jugendlichen in der Einrichtung wahrnehmen, Freundinnen mit gleichen Problemen finden, Erlernen von Möglichkeiten der Hilfe und Arbeitsteilung untereinander) dem Gefühl der Vereinsamung durch das Kind entgegenwirken
    • möglichst frühzeitig den Schulbesuch wieder ermöglichen
    • damit Möglichkeit des Wachsens einer „normalen“ und gesunden Mutter-Kind-Beziehung
  3. Bezogen auf das Kind
    • regelmäßige, ordentliche Befriedigung der Bedürfnisse des Kindes, der physischen und der emotionalen
    • Ermöglichen des Aufwachsens in ländlicher Umgebung mit viel Möglichkeiten der Bewegung an frischer Luft und damit einer gesunden Entwicklung
    • Aufwachsen gemeinsam mit anderen Kindern (denen des Projektes und der anderen Familie)
    • Erhalten der emotional wichtigen Beziehung zur Mutter




Die Zielgruppe

Im Projekt sollen drei junge Mütter mit jeweils einem (eine davon mit eventuell zwei) Kind(ern) aufgenommen werden, oder auch eine werdende Mutter (Schwangere).


Ausschlusskriterien



Die Leitungen oder ein typischer Tagesablauf

Der Tagesablauf richtet sich in erster Linie nach den Notwendigkeiten, die sich einerseits aus den Bedürfnissen des Kindes andererseits aus dem Schul- bzw. Berufsschulbesuch der Mutter ergeben, d.h. es gibt feste Weck- bzw. Aufsteh- aber auch Nachtruhezeiten.
An Schultagen beginnt der Tag zwischen 5 und 6 Uhr mit dem selbständigen Aufstehen, der Morgentoilette, dem Versorgen des Kindes und dem Frühstück. Eine Erzieherin unterstützt die Mütter bei der Versorgung ihrer Kinder und übernimmt die Betreuung der Kinder, wenn es notwendig ist. Notwendig wäre es in dem Fall, wenn die Mutter am Schulunterricht teilnimmt und ein Platz in einer Kindereinrichtung für das Kind noch nicht zur Verfügung steht.
Ziel ist es jedoch, im Laufe der Betreuung eine immer größer werdende Selbständigkeit zu erreichen.

Das Abendessen wird von den Müttern gemeinsam eingenommen und von jeweils einer Jugendlichen vorbereitet. Beim Abendessen treffen dann alle Mütter und die Betreuerin zusammen, dabei besteht die Möglichkeit in der gemeinsamen Runde aktuelle Probleme, die sich aus dem Zusammenleben in der Einrichtung ergeben, oder andere Themen zu besprechen.

Die Zeit zwischen dem Abendessen und der Nachtruhe gegen 22.00 Uhr (Sonntag bis Donnerstag) kann wieder wie der Nachmittag verbracht werden, die Kinder müssen versorgt und ins Bett gebracht werden, im Gemeinschaftsraum kann man dann noch ein wenig reden oder fernsehen oder lesen usw. bis zur Nachtruhe bzw. bis zur letzten Mahlzeit des Kindes. Dieser Tagesablauf bietet den Jugendlichen gewisse Rituale, die zusammen mit der festen Struktur des Tagesablaufes, notwendige Handlungssicherheit im Alltagsleben gewährleistet.

An den Wochenenden und in den Ferien gibt es größere Gestaltungsräume der Freizeit für die Jugendlichen mit ihren Kindern.
Die Speiseversorgung wird von den Jugendlichen und einer Betreuerin in Eigenverantwortung gewährleistet. Das gleiche gilt für sämtlichen Reinigungsleistungen (Gebäudereinigung, Wäsche- und Kleidungspflege).

Die anfangs sehr starke Unterstützung der Betreuerin bei der Erfüllung der Aufgaben der Jugendlichen wird allmählich reduziert, um am Ende der Betreuung eine größtmögliche Selbständigkeit der Jugendlichen in allen Fragen erreicht zu haben.

Die Jugendlichen können lernen, je mehr sie sich gegenseitig unterstützen und sie sich Arbeiten teilen, umso größer werden für sie die Freiräume.

Schulische und berufliche Entwicklung sind auch und gerade für junge Mütter Gradmesser einer erfolgreichen Betreuung. Durch die Betreuung wollen wir der Tendenz entgegenwirken, dass minderjährige Mütter zunehmend ohne Schulabschluss die Schule verlassen und damit bereits schlechte Chancen für eine Berufsausbildung haben. Schule oder Berufsausbildung ist in einer individuellen Form Bestandteil der Betreuung und fester Punkt im Tagesablauf.
Je nach Ausgangssituation werden während der Betreuung folgende Ziele umgesetzt, wobei wir davon ausgehen, dass die Jugendliche einen Schultyp der Umgebung besucht, eine Lehre aufnimmt, bzw. an einer berufsvorbereitenden Maßnahme teilnimmt: Auch bei der Betereuung minderjähriger Mütter finden wir es wichtig, dass die Betreuerin regelmäßigen Kontakt zur Schule hält, um über alle Entwicklungen zeitnah informiert zu sein und die Jugendliche bei der Erreichung des gesteckten Zieles zu unterstützen.

Trotz ständiger Anforderungen, die die Kinder an die Mütter stellen, ist die Entwicklung und Förderung von Freizeitbetätigungen insbesondere im nichtkonsumierenden Bereich wichtig. Dazu bieten der Hof mit seinem Garten, einer sich zur Zeit im Bau befindlichen Werkstatt, den Haustieren auf dem Hof und der landschaftlich wunderschönen Umgebung vielfältige Möglichkeiten für Aktivitäten.

Das nahegelegenen Künstlerdorf Plinz ist nicht nur ein Ausflugsziel, sondern bietet auch die Möglichkeit an Konzerten im Freien teilzunehmen oder sich auch selbst einmal künstlerisch zu betätigen.